Archiv des Autors: Kreutzer

Energie-Beratungsaktion – Für die ersten 100 kostenfrei


Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
ich wende mich heute mit einem besonderen Angebot an Sie: Kostenlos und unverbindlich können Sie sich über den energetischen Zustand Ihres Wohngebäudes informieren. Dieses Angebot wird vom Markt Glonn und dem Bundeswirtschaftsministerium finanziert.
Zusammen mit der Energieagentur Ebersberg-München und der Verbraucherzentrale Bayern bietet der Markt Glonn für alle privaten Haus- und Wohnungseigentümer die Beratungsaktion Check-Dein-Haus in der Gemeinde an.
Bei dem für Sie kostenlosen Gebäude-Check erfahren Sie alles Wichtige über die energetische Situation Ihres Hauses bzw. Ihre Eigentumswohnung. Auf Wunsch schaut sich ein Energieberater die Heizungsanlage sowie die Gebäudehülle Ihres Wohnhauses an und bespricht mit Ihnen, welche Optimierungsmaßnahmen und ob ggf. der Einsatz von erneuerbaren Energien für Sie sinnvoll sind. Die Ergebnisse erhalten Sie zusammengefasst in einem Kurzbericht mit Handlungsempfehlungen – ohne weitere Verpflichtungen.

Natürlich freuen wir uns, wenn diese Aktion auch zu einer Sanierungsmaßnahme führen würde. Sie steigern dadurch nicht nur den Wert und Wohnkomfort ihrer Immobilie, sondern senken zudem die Energiekosten nachhaltig.
Die fachkundigen Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern und der Energieagentur sind zu Neutralität und Unabhängigkeit verpflichtet.

Nutzen Sie die Chance und melden sich gleich an
– mit der beiliegenden Anmeldekarte
– oder in der Energieagentur bei Philipp Rinne, Kontakt s.u.

Anmeldeschluss ist der 15.3.2019. Bitte beachten Sie, dass dieses kostenlose Beratungsangebot nur für die ersten 100 Anmeldungen gilt. Lassen Sie uns den Klimaschutz in Glonn gemeinsam voranbringen!

Mit freundlichen Grüßen

Josef Oswald, 1. Bürgermeister

Ihr Ansprechpartner in der Energieagentur Ebersberg-
München gemeinnützige GmbH
Philipp Rinne

Telefon 08092 33 090 – 33, philipp.rinne@ea-ebe-m.de www.energieagentur-ebe-m.de

Zinneberg trauert um Martin Esterl

Die Tücke mit dem Nachruf oder:

Zinneberger An-Denken an Altbürgermeister und ehemaligen Mitarbeiter auf Schloss Zinneberg,  Martin Esterl!

Nachrufe haben so ihre Tücke – für mich zumindest. Leicht sieht man das ein oder andere überhöht, verklärt, wird Menschen und Lebensabschnitten auch nicht immer gerecht. Dennoch ist es gut und richtig, dass Erinnerungen an Menschen lebendig bleiben – durch Zurückschauen auf Begegnungen, Erlebnisse. Es ist ein Sammeln von Andenken. Diese können einen selbst zum Denken, zum An-Denken der einen oder anderen Haltung anregen, verbunden mit der Frage: „Gibt’s da vielleicht das berühmte ‚Radl“, das ich mir abschneiden sollte?“ Vielleicht klingt das jetzt etwas „ bayerisch gschraubt“, aber damit bin ich schon bei einem ersten An-Denken. „Gschraubt“ habe ich ihn nie erlebt den Esterl Martin bei den verschiedenen Begegnungen bei uns „herobn“ in Zinneberg. Eher hin und wieder etwas quer denkend, womit wir natürlich bei einem berechtigten, sicherlich nicht immer bequemen Wesenszug sind. An-Denken heißt aber in diesem Fall für mich, sich quer und schräg denken zu erlauben, nur so bleibt Leben lebendig.

Was gibt es für  zum An-Denken, wenn ich an Martin Esterl denke? Auf drei für mich An-Denkenswerte Episoden möchte ich eingehen. Zunächst geht es da zurück in die 90iger Jahre, als er noch Lehrer bei uns in Zinneberg war. Bei den damaligen Faschingsvorführungen des Heimes (es gab nur ein Mädchenheim, daran angeschlossen Schule und Ausbildung), war er sowohl nachmittags bei der „offiziell-würdigen Faschingsfeier“ zu Gast, als auch am Abend beim „internen Spektakel“. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass ein dreitägiger berufspflichtiger Faschingsmarathon bei Schwestern und Betreuerinnen nicht die helle Begeisterung auslöste. Dennoch hieß es Haltung bis in die späten Abendrunden zu wahren. Abends mischte sich Martin Esterl, kreativ dekoriert, wieder ins Getümmel. Rückblickend denke ich mir als überzeugter Faschingsmuffel, wie konnte er sich das antun? Vielleicht nur mit der Haltung: „De Gaudi stenga mir gemeinsam durch!“ Immer hatte er eine Überraschung im Gepäck, Eis, Überraschungstüten für die Jugendlichen oder Fischsemmeln für die faschingsgeplagten Betreuerinnen und Schwestern, denn „i hob mir denkt, dass Eich des pappige Zeugs net immer schmeckt“. Er hat halt hingehört und gespürt, was seinen PädagogenkollegInnen gut tun könnte. An-Denken heißt in diesem Fall für mich die Notwendigkeit des Hinhörens und Hineinversetzen in die Situation des anderen, was nicht nur im Pädagogen-Dunstkreis seine Notwendigkeit hat:

Drandenken werde ich auch an Martin Esterl und seine Glonner Leinentasche. „Die Taschen san praktisch und ich mach dann a glei immer Werbung!“ Ob zu Besprechungen oder einfach nur zum Einkauf im Klosterladen, er hielt sie fest oder sie ihn?? Ob so oder so und ohne weiß-Gott-was in eine einfache Stofftasche hinein zu interpretieren, Martin Esterl konnte ich seine Heimatverbundenheit abnehmen und nachvollziehen. An-Denken heißt in diesem Fall für mich um die Notwendigkeit zu wissen beheimatet zu sein und Heimat zu schenken. Es bedeutet für mich Tradition zu hinterfragen und zu wahren und offen zu sein für Neues: Heimatverbundenheit heißt Menschenfreundlichkeit.

Schließlich erinnere ich mich an den PC-Unterricht von Martin Esterl, den er Mitte der 90iger Jahre einigen Zinneberger Schwestern und MitarbeiterInnen gab. Der Beginn der digitalen Revolution bewegte sich noch sehr handsam zwischen nervig-fahrigen Mausbewegungen und harmlosesten Computerspielen wie Affen-Bananen-Weitwurf. Jeden Donnerstag, unerbittlich 9.30 Uhr, Unterricht! „Ihr könnts doch nicht weniger wissen, als die Schülerinnen!“, so ermahnte er mich einmal, nicht im Eifer nachzulassen. Heute über 25 Jahre später, halte ich mich für relativ fit, was den Gebrauch des PC anbelangt. Ich habe weitergeübt, bin nicht beim Bananen-Weitwurf stehen geblieben. Ich denke aber immer noch dankbar an diesen Unterricht. Oft haben Martin Esterl und ich darüber geredet und geschmunzelt. Es war eine Art „Initialzündung“. Martin Esterls Überzeugung machte mir Mut, Neues und damals Unbekanntes in Angriff zu nehmen. An-Denken heißt in diesem Fall für mich, die Bereitschaft sich den Herausforderungen der Zeit, der Gegenwart zu stellen und daran zu wachsen.

Es heißt aber auch für mich Dankbarkeit! In diesem Sinne Danke, Martin Esterl von uns „herobn“ auf Schloss Zinneberg!

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Das Jahr 774

Es war ein Jahr wie jedes andere Jahr: einkleiner Tropfen Zeit im unendlichen Rauschender Ewigkeit, eine Stunde zwischen dem unbegrenzten Gestern und einem nicht abzuschätzenden Morgen, ein irdischer Tag unter Sonne und Wolken und eine Nacht „unter der unermeßlichenKälte des blinkenden Sternenhimmels“,ein Vorbeiflug auf der langen Strecke zwischen dem Weitenanfang, dem unerforschten,und dem Weltuntergang, dem unbekannten. Was sollte uns da jenes ferne Jahr noch bewegen. uns, die wir 1200 Jahre darnachin Freud und Leid, sorgend und besorgt, uns wehrend und manchmal nicht bewährend die Kreise unseres Daseins zu vollenden haben?

Aber 774 hatte ein Mann gelebt, der hatte einenBaum gepflanzt, der bis heute nicht zerbrochenist, den Baum der Glonner Geschichte. Es warRatpot, der Sohn des Criminus; er schenkteam 21. März jenes frühen Jahres seinen Besitzan den Flüßchen „Mosaha amne“ und „Clana“der Marienkirche auf dem heiligen Berg inFreising; er beurkundete, daß er es „auf Eingebungdes höchsten göttlichen Lenkers“ tue.So ist denn in den Grundstein der GeschichteGlonns der Name des dreifaltigen Gotteseingeschrieben.

Wenn auch noch andere fließende Gewässer in Oberbayern den gleichen Namen „Glonn“tragen, so ist doch nicht daran zu zweifeln, daß Ratpot lebte, wo wir leben, kennzeichnet er doch seinen wohl weit ausgedehnten Herrenbesitz mit „Ländereien, Weiden, schluchtreichen Wäldern und herabstürzenden Wassern“.Und das alles trifft genau auf unsere Landschaft zu; da sind die Schluchten in Sonnenhausen und Haslach, die Wiesen auf den Hügeln, die Weiden in den drei Tälern und die herabstürzenden Wasser in der Naturgrotte von Ursprung. Und Stifterdemut und Besitzerstolz haben in der Urkunde von 774 den ersten Lobpreis auf die Schönheit unserer heimatlichen Landschaft gesungen. *)

Welch wundersame Wirkung einer guten Tat: Ratpots Name hat ein Jahrtausend überlebt. 774 lebte in der Burg des Baiernherzogs, mit dem Blick auf die Marien- und Bischofskirche, der Kluge, tätige und schreibgewandte Bischof Arbeo. „Mit großer Freude“ hatte Papst Gregor III. nach dem Plane von Bonifatius Salzburg,Passau, Regensburg und Freising zu Bischofssitzen des Baierlands erwählt. Arbeo hatte Korbinians Leiche von Südtirol nach Freising überführen lassen. In Arbeos Lebensgeschichte des hl. Emmerarn berauscht sich sein dichterisches Wort an der Schönheit des Landes zwischen Freising und den Bergen‘.,, Es ist sehr gut und lieblich anzusehen, reich an Hainen, wohl versehen mit Wein. Es besitzt Eisen in Fülle und Gold, Silber und Purpur im Überfluß. Das Land ist von klaren Quellen und Bächen bewässert. Der Erdboden scheint von Vieh und Herden aller Art fast bedeckt zu sein.Seine Männer sind hochgewachsen und stark,

 

*) Berganger ist schon 764 nachweisbar. So hatten unsere Nachbarn im Osten recht, wenn sie beim heurigen Glonner Faschingszug anschrieben. „Berganger ist 10 Jahre älter wia Gb. / Feiern tean mia net. / Aber g’freun tuats uns do‘.

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auf Nächstenliebe und Sitte gegründet‘.Vielleicht sind hier Ratpots Land und Personschon mitbeschrieben.Die klaren Wasser der Glonn, wohl ein wenigmächtiger als heute, sind auch damals schon,entgegen der sonstigen Richtung der großenFlüsse des Hochlandes, nach Süden gelaufen,der Mangfall zu. Wo heute Rosenheim landhaft- großstädtisch sich gibt, stand damals vielleichteine Torfstecherhütte. Wasserburg gabes, das innumschlungene, und Regensburgzeigte mit mächtigen Quadern und Türmennoch das Bild der Römerstadt, den Lagerplatzder 3. italischen Legion.,, Munichen“ aber warnoch lange nicht zu finden, und wenn München1958 mit stolzer Gebärde seine „lumpigen“800 Jahre feierte; wir tun so etwas bescheidener,aber auch „mit Herz“, und wir legen dankRatpot 400 Jahre dazu. Und wenn zu mittelalterlicherZeit der Herzog von München demFreisinger Bischof die Salzbrücke wegbrannte,wir Glonner schätzten lieber das Richtfeuer desFreisinger Bergs, das über tausend Jahre dergeistigen, der geistlichen und der künstlerischenKultur unseres Landes leuchtete.Unter dem Agilolfinger Tassilo (leider steckteihn König Karl 788 wegen angeblichen Hochverratsin lebenslängliche Klosterhaft) gab esglückliche baierische Jahre; die Klöster blühtenauf und mit ihnen die Wirtschaft. Kirchenund Kapellen mehrten sich, fast alleaus Holz gebaut; erst 200 Jahre später wirdder Holzbau vom Bau mit Steinen verdrängt.Im Jahre 774 geschehen in der Welt noch zweihier erwähnenswerte Dinge: König Karl zerschlägtdas Langobardenreich. Aus dem Langobardischenhaben sich in unserer Mundartnoch manche Worte erhalten, so das Wortdengg = links (So machte eine Wirtin eine gareinsichtige Bemerkung, als sie bei einem Leichenmahldas allgemeine Lob über den Verstorbenenhörte: „Ja, auf der oan Seitn war erganz recht, und auf der andern sand mia adengg!‘).Leichter im Gedächtnis hält sich das zweiteGeschehnis: Sechs Monate und drei Tage nachRatpots Besitzübergabe, am 29. September774, wird in Salzburg der Dom eingeweiht.Denk daran, mein Landsmann, wenn Du in dieMozartstadt kommst, sag dem Dom, dem Nachbarnaus der frühen Zeit, ein freundschaftlichesGrüß Gott und dem Herrgott sag ein Stoßgebetum Frieden für das schöne Land diesseitsund jenseits der Salzach und für Glonn,das so alt ist wie Salzburgs Dom!

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Die Heimat ist älter – Ihre Vorgeschichte

Nun dürfen wir nicht denken, Ratpot und seineFrau, so er eine hatte, wären der Adam und dieEva vom Glonner Paradies gewesen. Aus vorgeschichtlicherZeit haben uns ja die erstenMenschen unserer Heimat Zeugnisse ihres Lebens,ihres Mühens und ihres Hausens hinterlassen.Und wiederum vor diesen Menschenhat der Schöpferwille mit den Kräften derUrnatur unserem Lande die schönen großenKonturen eingezeichnet.

In drei gewaltigen Zeiten des Untergangs schufGott das liebliche Grundbild unserer Heimat.Während einer ungeheuren Einfrierung derErde schob sich dreimal das Eis der Alpen inmächtigen Decken aus dem engen Tor des heutigenInntals. Als dazwischen die warmenWinde einbrachen und der Föhn die Orgelblies, den tausendjährigen Winter zu unterbrechen,da trugen urige Ströme den Schutt der Zerstörung ins Land. Mit Schlamm und Lehm vermengt, bildete sich der Nagelfluh,wie er heute in der Schlucht von Altenburgmalerisch zu Tage tritt und Gebirgsromantikins Hügelland zaubert.

Aber wieder kam der riesige Gletscher undseine Brüder ins Feld und wieder erfror die Erde, und wo die Gletscher endeten, legtensie, ein wenig müde von der weiten Fahrt,ihr Schuttgepäck in niedrigen gleichförmigenWällen ab. Und diese geben den Fluren vonZorneding und Purfing, von Anzing und Schwabenden auch für uns Glonn-verwöhnte nochgefälligen Terrassenreiz. In der dritten und(vorerst!) letzten Eiszeit zog sich die Verglet-4scherung nicht mehr so weit hinaus. Aberdort wo sie Schluß machte, schuf sie dasfantasievollste aller Hügelgelände, ein Bildvoller Launen und Scherze, voller Einfall, vollerAnmut und Schönheit. Fächerförmig hatte sichder Eiskuchen des Inns noch einmal hinausgeschoben;er schuf die Höhenzüge von HeIfendorf,Egmating und Oberpframmern, lecktemit einer Zunge bis Buch vor und hinterließuns, wo später die Abflüsse fehlten, die reizendstenSeen. Das war etwa im zehnten Jahrtausendvor Christus. Und wieder kam dergroße „Sunnwind“. Das Eis schmolz. Die Moränenhügelüberzogen sich mit dem erstenschüchternen Grün der Wiesen. Aus ihrenAdern quoll der Bach hervor.

Wie der Boden rasch sich senkt und hebt, daschmiegt er sich anmutig ins Tal, da klimmt ersteil empor, da kuppt er sich rund zum Gugelhopf,dort kegelt er sich, hier reißt er schluchtenschmaleine Rinne ein und in einer Wiesenidyllehinterläßt er uns ein Eiszeittröglein vollklaren Wassers mit allzeit grünem Kraut amGrund und voller Sumpfdotterblumengold anseinen Rändern im Frühjahr. Welch jugendlichesGesicht hat doch unsere Landschaft!Und mit Dörfern und Höfen und Kirchen hatdoch längst die erhaltene Naturlandschaft sichinnig dem Menschenwerke hingegeben und istKulturlandschaft geworden.

Aus der Altsteinzeit finden sich bei uns keineFunde, wohl aber in den Anraingebieten aufder Münchner Ebene. In der Jungsteinzeit kamendie Siedler von den waldfreien Lößböden

 

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an der Donau und vom tertiären Hügelland beiLandshut, Moosburg und Freising in unser Moränengebiet.Der Mensch wurde seßhaft undblieb länger an einem Ort. Die Funde aus derjüngeren Steinzeit, etwa 4000 bis 2000 v. Chr.,stammen hauptsächlich vom äußeren Randeder Gletschermoränen in der Linie Holzkirchen-Glonn – Ostermünchen – Wasserburg. Scherben,Tierknochen und Kohlenreste fanden sich ineinem später aufgelassenen Glonner Tuffsteinbruch.1933 entdeckten wir in der nächstenNähe des Bahnhofs, hinterm Seiler Eichmeier,eine Wohngrube, von Lehm umschlosseneknöcherne Reste von Mahlzeiten, ein Steinbeilund ein Feuersteinmesser. Feuerstein brichtähnlich wie dickes Flaschenglas und gibt messerscharfeRänder. Tuffsteine waren in derGrube zusammengetragen worden; sie dientenentweder als Kochplätze oder als erhöhte Lagerstätten.Keramikscherben zeigten einfacheSchmuckformen, vielfach das Fischgrätenmuster.Aus der nachfolgenden Broncezeit wurdeein hübscher Krug im benachbarten Aying undverschiedene Gegenstände bei Piusheim gefunden.

 

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Kelten und Römer färben uns ein – Bajuwaren sind wir

Das erste Volk in der Vorzeit unserer Heimat,das uns mit Namen bekanntgeworden ist,ist das Volk der Kelten. Diese kamen von deroberen Mosel, dem oberen Rhein und deroberen Donau. Ein unruhiges Wandervolk.Teile von ihm drangen bis nach Britanien undSpanien, bis Italien und Griechenland, bis Kleinasienund an das Schwarze Meer. Nur ihreSprache läßt sie als Einheit erscheinen. Undaus ihrer Sprache ist unserm Fluß und mit ihmTal und Ort der Name zugewachsen: Clana, dieKlare. Nach dem Jahre 1000 gibt es einenOrtsadel de Clana. Im 14 Jh. findet sich „diekirch St. Johann zu Glan“ und Glan heißt heutenoch der muntere Bach, der weit von uns alsNebenflüßchen in die Salzach springt. Im 16.Jh. färbte sich der Name in Glon um und seitdem Dreißigjährigen Krieg schreibt man diezwei nn. In der Mundart heißt es „Gloo“, etwashart und selbstbewußt und fast wie „Klo‘. Undder Hauser von Haus hat es sich nicht entgehenlassen, in seiner „Glonner Schöpfung“, dienoch nie gedruckt und in Glonn nur einmal inder Lena-Christ-Stube vorgetragen worden ist,uns ein bißl „zu stroafa“ wie er sagt. Freilich,schön klingt auch das hochdeutsche „Glonn“;das klingt tief und summt aus wie die Zwölfuhrglocke,die hier zu Ehren kommen darf,weil sie für uns Ministranten einst „die großeGlocke“ war und schon Kraft dazugehörte, siezu läuten; es ist die Friedensglocke von 1653.

Daß der Namen Glonn seit der Keltenzeit gebliebenist, daß ihn auch die später einwanderndenBajuwaren übernommen haben, istnach Prof. Torbrügge ein Beweis, daß der Ortnie länger verödet und die Siedlungskette nielänger unterbrochen war. Die Kelten warenübrigens ausgezeichnete „Hand“-werker: Zimmerleute,Gerber, Schuster, Wagner undSchmiede; zur Erleichterung des Handels verwendetensie schon Münzen

.Aus der Zeit der Römerherrschaft, von 15 v.Chr. bis gegen 500 n. Chr. wissen wir von dengroßartigen Straßen, welche Augsburg (nach«Tacitus die glanzvollste Koloniestadt südlichder Donau und der Sitz des Statthalters) mit den sonstigen Zentren und schließlich mit Romverbanden. An der Straße von Salzburg überSeebruck nach Augsburg wurde nicht allzuweitvon uns bei Helfendorf der berühmte 60. Meilensteingefunden. Er trägt den Namen desKaisers Septimius Severus (192 bis 211). Dieser Herrscher stammte aus Afrika. Hannibal war sein Vorbild. Von den Donauländern führte er seine Heere gegen Rom. Der Untergang der antiken Kultur begann. Seine verderbten Söhne dem vergifteten Leben Roms zu entreißen, zog er im Alter gegen Britanien zu Feld. Er war schon gichtbrüchig und ließ sich in einer Sänfte tragen. Auf dem Feldzug starb er.

Römermünzen, in Glonn gefunden, gehen aufdie Kaiser Claudius und Nero zurück. Claudius war schwachen Geistes, aber ein durchtriebenerTyrann. 35 Senatoren und 221 römische Richter ließ er hinrichten. Er selber starb am Genuß eines vergifteten Pilzes. Sein Nachfolger und Stiefsohn Nero hielt ihm die Leichenrede. Dessen Schreckensherrschaft ist bekannt. Er endete durch Selbstmord. „Die Glonner“ hatten

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nur mit seinem Gold zu tun! Die Legionäre, Der romanischen Einmischung schreibt manBeamten und Händler aus Rom wollten in der teilweise die Neigung und Begabung desrauhen Provinz nördlich der Alpen auf die zivi- Altbaiern für das Musische und für die Musiklisatorischen und kulturellen Errungenschaften zu. Die Musik aber ist „das königliche Geihrerklassischen südlichen Heimat nicht ver- schenk“ der Altbaiern an die Welt. Haydn,zichten. So entstand wegen des zunehmenden Mozart und Schubert waren mit ÜberzeugungBedarfes eine große Töpferei für Terra sigilatta altbaierische Menschen.,, Redn ma soizburgebeimheutigen Westerndorf nördlich von Rosen- risch“, sagte Mozart, „dös is g’schickt“. Haydnheim. Zwischen Kleinhelfendorf und Schöngei- war übrigens der Sohn eines Hufschmieds undsing finden sich noch heute die besterhaltenen einer Köchin, wie das (was den Vater betrifft,Stücke von allen Römerstraßen in ganz wenigstens standesamtlich) auch bei LenaDeutschland. Christ der Fall ist.

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Spätestens im 5. Jh. kamen die Bajuwaren oderBaiwaren von Böhmen her ins Land*). Es warenmeist getaufte Christen, hingen aber noch derEhre des Arius an, der die Gottheit Jesu verneinte.Das heute noch im großen Credo gebetete„Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrerGott vom wahren Gott ….. geht bis an dasKonzil von Nicäa zurück, das die Lehre desArius verwarf. Mit den Bajuwaren taucht dasbaierische Volk in der Geschichte auf. Die Bajuwarenwaren nach Benno Hubensteiner „einBauernvolk, gutmütig und jähzornig, sinnenfrohund aufwenderisch, eigensinnig und beharrendwie noch heute. Der baierische Stammvereinigte dabei in sich Bevölkerungsgruppenunterschiedlichster Herkunft; manche Gruppenscheinen schon vorher in unserem Raum eingesessengewesen zu sein.

 

*) Die ing-Orte wie Grafing, Alxing, Zorneding, Egmating sind bajuwarische Neusiedlungen.

 

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Geschichte bis zum Schluß der Geschichte –

Die Anfänge des Christentums

Bald nach 700 hat der baierische HerzogTheodo den katholischen Glauben angenommen.Aber Christen gab es in Baiern auchschon im 7. Jahrhundert. So haben sich imJahre 651 200 Männer dem Zuge angeschlossen,der die Leiche des gemarterten BischofsEmmeram von Helfendorf nach Aschheimbrachte. Von Münster darf man annehmen, daßes eine altchristliche Zelle unserer Heimat war.Ein Urkloster dürfte es nicht gewesen sein,wohl aber zu einem Kloster gehörig. Der Flurname Heimeranholz, südwestlich von Münster,verweist vielleicht auf St. Emmeram in Regensburg.Daß die Kirche Johannes dem Täufer geweihtist, besagt, daß Münster wohl eine Taufkirchewar. Die Nähe des Marterortes Helfendorf hat ihm seine Bedeutung gegeben. Da damals das Taufen noch durch Untertauchenim Wasser vollzogen wurde, und da den Glonnflußsicher eine Verkehrslinie, vielleicht eine Furt, durchquerte, dürfte Glonn, dessen Kirche ebenfalls dem Täufer geweiht ist, Münster den Rang als Taufkirche abgelaufen haben.

Die Kelten hatten auf den britischen Inseln mitgroßer Leidenschaft das Christentum angenommenund mit dem ihnen eingeborenenWandertrieb durchzogen sie als Missionare dasFrankenreich und kamen später bis ins baienscheLand.,, Mit langem Haar, mit gefärbtenAugenlidern und dem ledernen Quersack aufdem Rücken“ ähnelten sie ganz und gar nichtden sanften und liturgisch-festlich gewandetenGestalten der malenden Nazarener undnicht denen auf den Bildern der Bibel in unsererKindheit, wohl etwas mehr schon den wandernden„Blumenkindern“ der 2. Hälfte unseres späten Jahrhunderts. Auch Korbinian, derHofbischof beim Herzog in Freising, hatte, wiewohler an der französischen Seine aufgewachsenwar, keltisches Blut in sich.

Als Ratpot seine fromme Stiftung tat, war unserLand schon ein christliches geworden, wenngleichmanch heidnischer Brauch und Zauberdaneben weiterlebte. 771 fand unter HerzogTassilo II. zu Neuching, zwischen Schwabenund Erding gelegen, eine Synode statt, und imJahre Ratpots erging an die geistlichen Würdenträgerdes Landes der Auftrag, dafür zu sorgen,„daß die Priester nicht unwissende Leuteseien, sondern die heiligen Schriften zu lesenund zu erfassen vermögen; ein jeder Bischofsoll daher an seinem Sitze eine Schule errichtenund einen weisen Lehrer bestellen, der nachder Überlieferung der Römer zu unterrichten undSchule zu halten verstehe.“ 804 erließ Karl d.Gr. ein Gesetz, daß Männer und Frauen dasGlaubensbekenntnis, das Vater unser und dieTaufformel zu lernen hätten. „Und der sie nicht festhält, soll Schläge bekommen, oder es sollen ihm die Getränke entzogen werden, außerWasser“. Da das Lateinische zu lernen schwerfiel, wurde 813 hinzugefügt: „Wer es nicht anderslernen kann, möge es in s e i n e r Sprachelernen.“

Wann in Glonn die erste Kirche stand, läßt sich nicht nachweisen. Die Gräberfunde auf demBäckerberg (an der Ebersberger Straße) zwischen1858 und 1937 brachten keine christlichenZeichen zutage; sie dürften also aus

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vorchristlichen Zeiten stammen. In Bergangeraber schenkten fromme Leute 776 – 78 ihr„Gotteshaus“ dem Bischof von Freising. Doch821 gibt es in Glonn einen Priester Ratpoto,der seine Wiesen, Wälder und Gewässer derMarienkirche in Freising vermacht. Nach demJahre Tausend fallen Bindungen und Stiftungenan das Kloster Tegernsee auf. 826 gibt es inGeorgenberg ein Oratorium (das ist ein eingesegneter,aber nicht geweihter Betsaal) undeinen Priester Hadhmunt.Bei dem großen Brand in der Schwedenzeitsind wohl alle damals vorhandenen Aufzeichnungenaus der Glonner Pfarrgeschichte verlorengegangen. So konnte der bienenfleißigsammelnde Pfarrer Niedermair für die Zeit biszum Jahre 1600 nur 11 Priester in seine GlonnerChronik eintragen, darunter jeweils überhauptkeinen aus dem 10., 11., 12. und 14. Jh. Währendin den ersten 8 Jahrhunderten nach der erstenurkundlichen Erwähnung Glonns also nur 11Priester namentlich nachgewiesen sind, folgenin den 4 Jahrhunderten seit 1600 nicht wenigerals 31 Pfarrherrn. Mag in der Geschichte desfrühen und auch noch des mittelalterlichenChristentums rund um Glonn vieles im Dunkelnbleiben, der wahre Ursprung liegt fest undTheodor Haecker, der Philosoph, umschriebihn 1935, in einer Zeit, da wir Menschen mehrSinn für das Geschichtsmächtige hatten, mitden Worten: „Die Menschwerdung Gottes ist insich Geschichte und bleibt Geschichte bis zumSchluß der Geschichte. Daß sich ein Mönch,der im 6. Jh. den Auftrag bekommen hatte, dieZeitrechnung rückwirkend festzulegen, verrechnethat (er vergaß das Jahr Null zwischendem Jahre 1 v. Chr. und 1 n. Chr. einzuschreibenund er übersah jene vier Jahre, da KaiserAugust unter seinem eigentlichen NamenOctavian regiert hatte) und Christus um einigewenige Jahre vor unserer Zeitrechnung geborensein dürfte, ändert daran nichts.

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Quellen und Impressum: 300 Jahre Kirche Frauenreuth

Titelbild 
Kirche Frauenreuth, Gemälde von Wolfgang Lammerding
Herausgeber: Pfarrei Glonn


Verantwortlich für den Inhalt,   
Fotos  und Umschlaggestaltung: Hans Obermair
Alle Rechte: Hans Obermair 2007 ©


Quellen, soweit nicht im Text angegeben:

  • Glonner Pfarrarchiv
  • Archiv des Erzbistums München-Freising
  • Johann-B. Niedermair, Glonn und Umgebung in Vergangenheit und Gegenwart Freising 1909 und München 1939
  • Erwin Richter, Jedermann und die Jüngste-Gerichts-Mühle, Sonderdruck, Wien 1955
  • Andrea Worm, Die „Gerichtsmühle“ und die „Vier letzten Dinge“ aus 100-Jahre Landsberger Geschichtsblätter Landsberg 2000/2001
  • Irene Gerstner, Untersuchung der Votivbilder in der Marienkirche von Frauenreuth Zulassungsarbeit 1970
  • Dr. Cordula Böhm, Schriftverkehr

Layout für Print und Web: Stephan Kreutzer/ MediaGlonn
Druck: Druckerei Altermann
Auflage: 300

 

 

Ehrung für Rudi Gerer und Josef Axenböck


Landrat Robert Niedergesäß hat, stellvertretend für den Ministerpräsidenten Markus Söder,  Rudi Gerer und Josef Axenböck  das „Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten für im Ehrenamt tätige Frauen und Männer“ verliehen. Stellvertretend für den Staatsminister des Inneren verlieh der Landrat Josef Oswald eine Dankesurkunde für langjähriges verdienstvolles Engagement um die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde Glonn.

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten wird seit 1994 als ehrende Anerkennung für langjährige hervorragende ehrenamtliche Tätigkeit verliehen. Es erhalten Personen, die sich durch aktive Tätigkeit in Vereinen, Organisationen und sonstigen Gemeinschaften mit kulturellen, sportlichen, sozialen oder anderen gemeinnützigen Zielen hervorragende Verdienste erworben haben. Die Verdienste sollen vorrangig im örtlichen Bereich erbracht worden sein und in der Regel mindestens 15 Jahre umfassen. Das Ehrenzeichen wird vom Ministerpräsidenten verliehen. Vorschlagsberechtigt sind die Mitglieder der Staatsregierung, die Regierungspräsidenten, Landräte und die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte.

Als Dankeschön für das langjährige hervorragende Engagement bekamen Rudi Gerer und Josef Axenböck zusätzlich die goldene Ehrenamtskarte mit lebenslanger Gültigkeit.

Gemeindearchiv der Marktgemeinde Glonn

Herzlich Willkommen auf der Seite des Gemeindearchivs der Marktgemeinde Glonn !

Ab Sonntag 7.4.2024

Die neue Website:

archiv-glonn.de

Sie werden dort in den digitalen Beständen des Archivs stöbern können, Dokumente herunterladen, Statistiken, Archivalien und Bilder zu verschiedensten  Bereichen der Ortsgeschichte finden.

Entwicklung der Infrastruktur, politische Meinungsbildung, Facetten des Alltagsleben und historische Ereignisse, Vereinsgeschichte und Verwaltungsgeschehen – mit diesen und weiteren Themen möchte die neue Seite alle „alten“ und „neuen“ Glonner Bürger und Bürgerinnen anregen und unterstützen, sich mit der Geschichte der eigenen Heimat, mit der politischen, gesellschaftlichen, landschaftlichen  Entwicklung der eigenen Lebensumwelt zu beschäftigen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass aus diesem Grund die aktuelle Seite des Archivs nicht mehr umfassend bearbeitet wird und manche Inhalte nicht mehr vervollständigt werden!

 

 

 

 

 

Sie finden das Archiv im Rathaus:
Marktplatz 1, 85625 Glonn
Barbara Kreutzer,  Zi.303

Dienstag und Mittwoch 8.30 -16.00 Uhr
Donnerstag                      8.30 -12.00 Uhr

Tel.: 08093/9097-46
Email: barbara.kreutzer@glonn.de

„Heute ist die gute alte Zeit von morgen“ (Karl Valentin)

Bitte haben sie Verständnis dafür, dass sich diese Seite noch im Aufbau befindet und noch nicht alle Inhalte vollständig sind. Auch der ein oder andere Fehler kann noch auftauchen… Danke!

Das Archiv – Das Gedächtnis der Gemeinde

Kommunalarchive werden gerne als „Gedächtnis“ der Gemeinden und ihrer Bürgerschaft bezeichnet, die sie tragen. Ihre Aufgaben haben ihre gesetzmäßige Verankerung in Art. 57 Abs. 1 der Bayerischen Gemeindeordnung und Art. 13 Abs. 2 des Bayerischen Archivgesetzes. Sie reichen von der Bewahrung, Bewertung und Erschließung bis zur Nutzbarmachung und Auswertung der Schriftgutüberlieferung.

Historisches Wissen in Form von Bildern, Dokumenten, Briefen; Akten etc. zu erhalten,  erfahrbar und zugänglich zu machen, und darüber hinaus zu gewährleisten, dass das Handeln der kommunalen Verwaltung über Jahrzehnte und Jahrhunderte kontinuierlich transparent und nachvollziehbar ist, sind die Aufgaben des Kommunalarchivs. Dazu kommt, als ortshistorisch ebenso wichtige  Aufgabe des Kommunalarchives das Sammeln und Bewahren von Zeitzeugnissen z.B. aus Nachlässen, von Fotos, Filmen, Postkarten, Sterbebildern, privaten Dokumenten wie Tagebüchern oder Briefen oder auch niedergeschriebenen Erinnerungen. Hier freue ich mich sehr über jede Mithilfe und Unterstützung von Glonner Bürgerinnen und Bürgern, die solche Dokumente dem Archiv in Original oder Kopie zur Verfügung stellen.

Als ich im Mai 2017 mit der schönen Aufgabe betraut wurde für die Gemeinde Glonn ein Archiv aufzubauen, befand sich das „Gedächtnis der Gemeinde“ zum größten Teil noch im Keller des Rathauses, insgesamt existierten circa 130 laufende Meter an Akten, Papieren, Amtsbüchern, Karteien, Fotos, Büchern – der Beginn der kontinuierlichen Aufzeichnungen zum Beispiel bei den Ratsprotokollen oder den Kassenbücher beginnt in den 1850er Jahren.

Auch wenn inzwischen über 2000 Dokumente digital auffindbar sind, wird es doch noch einige Zeit dauern, dieses historische Gedächtnis des Marktes aus dem Dämmerschlaf zu reißen. Die Dokumente aus der Zeit von 1850 bis ca.1915  sind zudem meist in einem schlechten Zustand, aus dem Zusammenhang gerissen und natürlich durchgehend handschriftlich und in alter deutscher Schrift, bzw. Sütterlin verfasst. Zumindest einige davon sollten zur besseren Zugänglichkeit für die zukünftigen Nutzer transkribiert werden, (z.B. Ratsprotokolle; Gewerbeverzeichnisse, Gemeinderevisionen, Verhandlungen über Bauvorhaben, etc…). Trotzdem steht das Archiv natürlich schon jetzt allen an Orts- oder Familiengeschichte interessierten Bürgerinnen und Bürgern, für Forschungsarbeiten oder Veröffentlichungen, für Öffentlichkeitsarbeit oder Bildungs- und Kulturarbeit (z.B. Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern) zur Verfügung und ich freue mich, jede Anfrage nach Kräften zu unterstützen.

 

Glonner Vereine erhalten Spende von FC Bayern Stammtisch Glonn94


Auch dieses Jahr ging der Erlös wieder an gemeinnützige Organisationen in Glonn. Die komplette Summe wurde verteilt an die Jugendabteilungen der Feuerwehr Glonn, der Wasserwacht Kastenseeon und des BRK Glonn sowie an das Kloster Zinneberg.
Dank der großzügigen Spenden zahlreicher Firmen in Glonn und Umgebung sowie der steigerungsfreudigen Mitglieder und Freunde des Fanclubs konnten die Einnahmen vom Vorjahr sogar noch übertroffen werden.
Der Fanclub bedankt sich nochmals herzlich bei allen Sponsoren für die tollen Sachpreise sowie bei den großzügigen Bietern für die Gebote und Spenden für einen guten Zweck. Ebenso ein Dankeschön an den 2. Vorstand Alexander Moosbauer, der als perfekter Auktionator mit viel Geschick und Humor die Versteigerung führte.
Foto: Die Vorstandschaft Glonn94 sowie die Vertreter der Vereine bei der Scheckübergabe

Die erste Glonner Chronik

Die alte Knabenschule

Johann-Baptist Dunkes  1807-1877
Ein Glonner Lehrer – er schrieb 1868  eine erste Glonner Chronik

Von Hans Obermair

Das Revolutionsjahr 1848:  Nicht nur, dass  König  Ludwig I abzutreten hatte und dass die sogenannte Bauernbefreiung – alle Bauern waren jetzt Eigentümer, wie kaum vorher und nachher neue Strukturen auf dem Lande ermöglichten, sondern auch, dass sich die Demokratiebewegung einem Durchbruch näherte. Deren Höhepunkt war 1849/50  mit der Frankfurter Nationalversammlung. Wie Niedermair und Koller schreiben,  war Dunkes  dabei. Zwar nicht als Abgeordneter, sondern als Delegierter für die Wahl. Bayern hatte man sich nämlich für ein Wahlmännersystem entschieden.  Je 400 Wahlberechtigte  (Männer ab 25/ Steuerzahler usw.) war es einer.  Das  bedeutete für  Glonn etwa einen Wahlmann. Dass dies der „arme“ Lehrer ist und  nicht  ein reicher Bürger, lässt die überregionale Bedeutung von Dunkes vermuten. So auch, dass er, wie auch immer, als Wahldelegierter in Frankfurt dabei war.

Warum ging Dunkes 1840, aus Freising gebürtig, so wie auch die Wagner´s (Post), vorher Lehrer in Lenggries und Berchtesgaden, nach Glonn. Mit Frau Katharina, eine Milchmannstochter („Millimadl“) aus München gab es bereits  sieben Kinder. Wahrscheinlich  konnte in Glonn mit der erst 1838 neu gebauten Schule für die Großfamilie die Wohnungsfrage gelöst werden. In Glonn kamen sieben weitere Kinder hinzu, wovon vier im Kindesalter starben. Bei den Schicksalen der Kinder ist das von Amalia (*1834) besonders bemerkenswert: Ab 1857 hatte sie drei unehelich Kinder. Vater war jeweils Graf Alois von Arco Steppberg, Sohn der Kurfürstenswitwe Leopoldine (Enkelin von Kaiserin Maria-Theresia) und Bruder des früheren Zinneberger Graf  Max. Das „Lehrerdirndl“  war wohl irgendwie Ersatz in der kinderlosen Ehe, die der Graf 1830 mit  Irene von Pallavicini eingegangen war. Und so wurden die drei Kinder auch „gräflich“ alimentiert, schließlich waren sie ja auch kaiserliche Ururenkel. Vielleicht war das auch die Basis für die Heirat von Amalia mit dem Mechaniker Kollmann aus Schwabing.

1868 im Jahr seiner Pensionierung legt Dunkes sein 24-seitiges, handgeschriebenes „Lagebuch“ (Chronik)  vor. Ob er das  als Gemeindeschreiber zu erledigen hatte, oder es privat schrieb, ist nicht bekannt. Jedenfalls es ist ein  Werk, das Einblick in die Glonner Verhältnisse bis 1868 gibt. Über Kirchen, Kapellen,  Landschaft, Landwirtschaft, Gewerbe, Schule und Schloss Zinneberg steht hier einiges geschrieben.  Also: Für die heutige Heimatforschung eine wichtige Quelle. Dunkes verstirbt 1877, verwitwet, im Haushalt seiner ledigen Tochter Josefine und ist in Glonn begraben. Eine Straße nach ihm zu benennen, war schon einmal im Gespräch.

Die Chronik des Lehrers Dunkes

Die erste Chronik über Glonn
Quelle: Archiv Marktgemeinde Glonn
Transkripiert aus dem Sütterlin von Hans Obermair
Digitalisierung, Bebilderung: Stephan Kreutzer
Bild-Quelle: Leonhard Huber „Tausend Bilder von Glonn“

Artikel aus dem Glonner Marktschreiber von Hans Obermair über den Lehrer Dunkes


Aufzeichnungen über Glonn

von Lehrer Johann Baptist Dunkes
aus Freising und vom 7. April 1840 – 1868 in Glonn.

Glonn, ein Pfarrdorf im königl. bayer. Landgerichte Ebersberg in Oberbayern, bis zum Jahre ….. lsarkreis, liegt 8 Stunden von München, 4 Stunden von Holzkirchen, 6 Stunden von Miesbach,
4 Stunden von Aibling, 4 1/4 Stunden vom Landgerichte Ebers­berg und 5 1/2 Stunden von Markt Schwaben.

In seinem größten Durchmesser von Westen nach Osten zählt Glonn 1 Stunde und von Norden nach Süden 1 1/2 Stunden; diese vom Weiler Doblberg bis hinter das Wirtshaus von Frauenreith, jene 200 Schritte vom Pframmernerholz bis nahe an die Huberkapelle an der Bergangernerstrasse.

Glonn gränzt gegen Osten an die Gemeinde Berganger und Bruck, gegen Süden an Jakobsbaiern und Höhenrain, gegen Westen von Helfendorf, Egmating und Pframmern, gegen Norden an die Gemein­de Moosach und teilweise Bruck.

Der Flächeninhalt beträgt 13000 Tagwerk mit 214 Häusern. Die näheren Grenzbestimmungen sind im Osten angefangen auf der Bruckerstraße unterhalb des Weges der nach Einharting links führt, so daß der etliche Schritte in der Nähe befindlichen kleine (Brückel) schon in die Gemeinde Bruck gehört.

Die ganze Gemeinde besteht aus den Ortschaften Glonn, Haslach, Frauenreith, Schlacht, Kreuz und Adling, dieses in so Dorfschaft, als die die Adliner bei der Säkularisation 1807 das zum Abbruch bestimmte Kirchlein käuflich an sich brachten.

Dann aus den Weilern: Georgenberg, wohin jährlich am Markustag von der Pfarrkirche aus mit den Kreuz gegangen wird und in den dem Dumbergerbauern gehörigen Kirchlein ein hl. Amt gehalten, Mattenhofen, Hafelsberg, Balkham, Reinsdorf, Kastenseeon, Steinhausen, Ursprung, Westendorf, Hermannsdorf, Doblberg; dann die Einöden Überloh, Reisenthal, Sonnenenhausen, Filzen, Mecking, Straß, Wetterling, Spitzentränk, Edenhub, Hecken.

Das Schloß Zinneberg auf einer anmuthigen Höhe 3/8 Stunden von Glonn in nordöstlicher Richtung ist eine besondere Zierde die­ser Gegend und gewährt dem Naturfreunde mit den schönen künst­lichen Gartenanlagen, sowie die Aussicht auf die südliche Gebirgskette einen seltenen Naturgenuß.

Von den 3 Linden vor dem Schlosse aus liegt Glonn in einem herrlichen Panorama, und wendet man sich erst vom Schlosse durch die Gartenanlagen südlich nach dem 1/8 Stunden gelegenen Einödgütlein Spitzentränk so überrascht die bewunderungswür­dige Aussicht in die bayerischen und Tirolerberge vom Säuling angefangen bis zu den Bergen Salzburgs, wohl eine Strecke von 50 Stunden und darüber, und die Zugspitze, die Benediktenwand mit dem Kirchlein, Scharfreiter, Voggenstein bei Lenggries, die Tegernseer Berge mit ihren anmuthigen Alpen, Schliersees be­kannte sanfte Bergmatten, der Wendelstein, der wilde Kaiser in Kufsteins Nähe, die Kamzen am Schiemsee, die beiden Staufen, der Untersberg und selbst Watzmannsspitze bis bin zum hohen Göll und den bekannten Gaisberg in Salzburgs schönen Gauen entzücken bei heiterem Himmel jedes Menschenaug, welches Gefühl für Natur­schönheiten und Empfänglichkeit für Gottes grosse Schöpfung im Herzen trägt.
Panoramabild von Leonhard Huber

Die Umgegend von Glonn selbst ist ein Hügelland und bildet gegen die einförmigen und ermüdenden Gegenden von Westen und Norden her gleichsam schon in sanften Anhöhen und lachenden Tälern das Vorgebirge, welches sich am südlichen Alpengebirge ganz gemütlich hinlehnend, gleichsam auszuruhen pflegt.


Entstehen dieses Dorfes.
Mehr zur Glonner Dorfgeschichte in der Niedermaier Chronik


Diese Karte unterliegt dem Urheberrecht des Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung,  Kundenservice – Alexandrastraße 4 – 80538 München, http://www.geodaten.bayern.de, service@geodaten.bayern.de
Siehe auch „Die Glonner Hausnamen“ von Hans Obermair

Glonn war in früheren Zeiten als Markt, später als Hofmarkt be­kannt und in letzter Zeit als Dorf aufgeführt obgleich es jetzt mehr Häuser als früher zählt. Die Zeit der Entstehung dieses Or­tes läßt sich nicht genau angeben und dürfte wahrscheinlich in das…… Jahrhundert und noch später hineinfallen, da in der Meichelbeckschen Historia Frisingensis über den Urspruch der Ortschaften in der Diözese Freising schon in den Jahren 848 Doblberg, 764 Berganger, 846 Jakobsbaiern, 784 Egmating, 748 Mosach, 842 Ober- und Niderpframmern erwähnt wird, Glonn selbst aber nicht aufgeführt erscheint.

Selbst das Dörflein Kreuz und Reinsdorf, nur 1/4 Stunde südwest­lich von Glonn gegen Egmating zu, läßt auf eine frühere Entsteh­ung schließen, indem diese Orte zwar in die Gemeinde Glonn, aber nicht in die Pfarrei gehören, da sie doch der örtlichen Lage nach weit näher bei Glonn als bei Egmating liegen, woraus zu schließe ist, daß Glonn entweder zur damaligen Zeit noch nicht gestanden, oder so unbedeutend war, daß die Geschichte davon garnicht erwähnt.

Sicherlich verdankt es sein Entstehen den zwei Flüßchen Glonn und Lauß, welch bei dem Anwuchse der auf den Anhöhen befind­lichen Ortschaften zur Befriedigung der Lebensmittel mehrere Mühlen zu bauen veranlaßten, in deren Nähe sich dann nach und nach die verschiedenen Handwerke ansiedelten, wofür auch die Ver­legung der 4 Jahrmärkte von Kreuz nach Glonn um das Jahr 1790 sprechen dürfte.

Das Pfarrdorf Glonn besteht dermalen aus 54 Häusern, darunter die Pfarrkirche, den Pfarrhof, das Schul – und zugleich Meßner-Haus.

Den nötigen Lebensbedarf liefern ein Wirth, Bäcker u. Metzger welche gegenwärtig in sehr rentablen Betriebe stehen und den hiesigen Handwerkern und Taglöhnern brüderlich Verdienst zu­kommen lassen.

* Zur Zeit befinden sich hier 3 Krämergerechtsame, davon eine i.J. 1858 vom Krämer Josef Angerer und Josef Obermair käuflich um 1500 fl. an sich gebracht wurde; dann ein Drechsler, ein Seiler, ein Weber, 1 Schreiner, 3 Schneider, 1 Lederer, ein Färber mit Huklerei, 1 Sattler, 2 Schuhmacher, 1 Messerschmied., 1 Waffen-und. Hufschmied, 1 Mehlber, 7 Müller, 1 Bothe zugleich Stellwagenführer, 1 Säckler, 1 Mühlarzt, 1 Schlosser, 1 Schäffler; selbst die Kunst ist hier vertreten durch einen Maler-Vergolder-­und Anstreicher, sowie für die Gesundheit durch zwei geschickte Ärzte, einen praktischen Arzt und einen Chirurgen und Geburts­helfer und 1 Hebamme bestens gesorgt ist.

Die übrigen Familien sind Taglöhner und nur 1 Bauer steht als bedeutender Ökonom in der Mitte des Dorfes.


Über das Entstehen dieser Brannntweinschänken:

Das Schabmayr Haus, nach wie vor ein geselliger Ort, oder wie es damals beschrieben Wurde ein Ort der „Mitnahme d. realen Branntwein- u. Brodverschleißgerechtsame“. In den 70ern Restaurant „Zur Lanz“, heute ist dort eine Pizzeria. Siehe auch „Anwesen der Gemeine Glonn“  Seite 28 von Hans Obermair

Aber auch ein verhängnisvoller Geist wird dafür theils aus Korn, Obst und Kartoffel erzeugt, und es finden sich nicht weniger als 5 Branntweinschänken hier, in denen sich schon so mancher nebst stinkenden Atem ein zitterndes Siechthum, ja sogar den Säuferwahnsinn holte.

Nach mündlicher Überlieferung, und wie noch einige Werkzeuge im Langhaus der Kirche zeigen, wurde dahier das Johanni-Fest in früheren Jahren, noch um 1760, unter ungeheurem Zulaufe von Nah und Fern auf eine großartige und spektakelhafte Weise mittels großem Umzuge im Dorfe gefeiert. Auf einem Wagen war die Hölle mit Teufeln in grinsender Gestalt vorgestellt. Der oberste daraus stürtze sich auf ein auserlesenes Opfer, welcher alsdann von irgendeinem Schutzgeist befreit und dann vom Satan durch einen Lanzenstich getötet wurde. Die Bruderschaft war in ihrem Costüm beim Zuge ein Engel, beschützte die Jungfrauen gegen die Nachstellungen der bösen Geister ………….

Bei einem solchen Zudrange genügt denn natürlich ein Wirths­haus nicht um einigermaßen die nöthigen Lebensmittel und Ge­tränke zu verabreichen. Man wählte denn gewisse Häuser, wie zum Beispiel gegen Süden den Utzkrämer, gegen Osten den Färber und das Schabmair Haus, jetzt Limbeckhäusl,  damals Druckerl genannth gegen Norden den Kramerschuster in der Mittes des Dorfes den Krämer Steinberger‚ wo der Branntwein verabreicht wurde, und die dann nach damaliger Sitte das Recht durch die Gutsherrschaft in Zinneberg ausüben durften.

Ganz Glonn steht auf Tuffstein, und ergiebige Tuffsteinbrüche eröffnen dem Grundbesitzern eine bedeutende Einnahmequelle, denn was dem Sommer hindurch aus den Tiefen gegraben wird, führen den Winter über die auf zwei und drei Stunden liegenden Bewohner auf Schlitten zu mehreren 100 Klaftern ca. 3 fl. zur Aufführung der neu zu erbauenden Gebäude fort; wie denn wirklich in der ganzen Umgegend die großartigsten Gehöfte prangen und die Segnungen eines fast 50 jährigen Friedens durch Wohlstand verkünden.


Kirchen:
Mehr zum Thema Glonner Kirchengeschichte in der Niedermaier Chronik

In der Gemeinde befindet sich die Pfarrkirche Glonn, die Fili­alen Frauenreith und Haslach (Kreuz und Schlacht Filialen von Egmating), sowie das Kirchlein Adling und Georgenberg, beide von den Bewohnern im Jahre 1807 als Eigenthum käuflich an sich gebracht.

Die Pfarrkirche ursprünglich klein, wurde a.D. des Jahres 1762 zu vergrößern angefangen. 17… vollendet. Die Steine zum Kirchenbau wurden aus dem damaligen Gemeindegrundstück (wo jetzt das Säcklerbaus steht) genommen. Sie wurde durch den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Freiherr Lothar Anselm von Gebsattel am 17.Aug. 1823 eingeweith, und dann das heilige Sakrament der Firmung erteilt.

Deßgleichen erteilte Seine Exzelenz der Hochw. Hr. Lothar Anselm am 4.Oktober 1830 bei der Visitation der Kirche das hl. Sakra­ment der Firmung, sowie im Jahre 1847 am 7.Mai durch Karl Graf v. Reisach in der Hauskapelle zu Zinneberg 2 Fräulein des Graf Arko Zinneberg und den übrigen Firmlingen hierauf in der Pfarrkirche gefirmt wurden.

Im Oktober 1806 feierte Hw. Marin Kugler Mairsohn von Doblberg unter dem Zudrange einer ungeheuren Menschenmenge sein erstes hl. Meßopfer.

Im Jahre 1807 kam von der k. Regierung der Beschluß, daß alle entbehrlichen Filialkirchen abgebrochen werden sollten. Doblberg und Steinhausen (traf) dieses Loos, da diese Filialkirchen sehr bau­fällig waren.

Die Filialen Georgenberg und Adling, wurden wie auf Seite 7 steht Privateigenthum, der Kelch von Adling ist Eigenthum der Kirche Glonn.

Im Dezember 1803 ließ Herr Graf von Zinneberg die Filialkirche von Sonnenhausen abbrechen worüber sich Herr Graf beim Ordinarat in Freising verantworten mußte, aber die Einwilligung hier zu erfolgte, als das Kirchlein schon abgebrochen war.

In diesen Jahren hörten auch die Kreuzgänge nach München zu un­serer lieben Frau auf. Die ganze Pfarrgemeinde mit Bruderschaft in ihrer Tracht versammelte sich auf der Lüften und hielt unter Vorantragung der hier üblichen 70 Fuß hoch Fahnen, die sich oben dünn auslaufend wie Geiseln schwingen den Einzug in der Frauenkirche.

Im Jahre 1823 im Monat Juli wurde der Platfond von Johann B. Beham, geborener Glonner und Maler in Aibling gemalt, und stellte in sehr mittelmäßiger Arbeit die Geschichte des hl. Johannes als Pfarrpatron vor.

Im Herbst 1845 wurde hier durch Patres Redemptonisten, während Herr Pfarrer Franz S. Vordermaier die Pfarrei versorgt Mission abgehalten, welche 8 Tage hindurch unter einem solchen Andrang von Andächtigen aus Nah und Fern besucht wurde, daß die Kirche stets überfüllt von Morgens 1 Uhr bis Abends 10 Uhr geöffnet beiben mußte. Sichtlich waren die Früchte der Mission, denn Feind­schaften hoben sich auf, Gestohlenes wurde restituiert und ein christlicher Lebenswandel ward geführt. Aber wie lange dauerte das?

Kirche Frauenreith.

Frauenreith 3/4 Stunden südwest. von Glonn, mit einem Kuppelturm früher eine berühmte Wahlfahrt, woran die Menge von Votivtafeln die im Jahre 1854 in die obere Sakristei verlegt wurden, Zeug­nisse geben, wie bis zum Jahre 1729, wo sie in gegenwärtiger Größe gebaut wurde, ein kleines Kirchlein nach prächtiger go­tischer Bauart, was noch jetzt die zunächst am Thurm verscharr­ten Überreste der Säulen, von denen eine vor einiger Zeit ausge­graben wurde, Zeugniss gibt.

Diese schöne Kirche, aber arm, erhielt im Jahre 1857 durch Ver­mächtnis des früher in Glonn domizilierenden Baders, Georg Maier einen bedeutenden Zuwachs, indem er 2000 fl. für 52 Wochenmessen urkundlich stiftete und dieses Kapital als Ewiggeld bei dem

Wirthe Anton Götzendorfer in der Sendlingergasse in München auf gelegt ist. Auch die Mutterkirche Glonn erhält ein Legat vom erwähnten Stifter mit 1000 fl., welche ebenfalls als Ewiggeld beim Wirt in Pframmern zu 4% hinterlegt sind. Bei der Filial­kirche Frauenreith ist eine Sepultur.

Filialkirche Haslach.

Dieses Kirchlein eine kleine Stunde südlich von Glonn auf einer Anhöhe des linken Glonn-Ufer gelegen, dem hl. Kollomann geweiht ist im gotischen Style gebaut und blicket einsam mit seinem kleinen Kuppelthürmchen hinüber nach der freundlichen Filiale Frauenreith. Das Kirchlein besitzt zur Zeit 1945 fl. Capitalien, welches bei den wenigen Bedürfnissen jährlich mit einem Aktivrest abschließt. Sepultur ist bei dem Kirchlein keine, jedoch finden sich einzelne Grabhügel, welch Zeugen von der Pest sein sollen, welche 1634 in München allein 15000 Opfer forderte. Die Bewohner diese Dörfleins kennzeichnet ein eigener Charakter, der jedenfalls mindestens 50 Jahre hinter den übrigen Bewohnern der Pfarrei sein dürfte. Sie leben in ihrer Schlucht unbeküm­mert um jedes Weltereigniss, was beweiset, daß in dem ganzen Dorfe im Jahre 1840 nicht ein Familienvater war, der nur hätte seinen Namen schreiben können.

Das Kirchlein Adling.

Dieses Kirchlein, dem hl. Landpert geweith, 3/8 Stunden nördlich von Glonn, Eigenthum der Dorfschaft, hat ein kleines Kuppel­thürmchen und fast im gottischen Style erbaut zur Nothdurft seiner Gläubigen. Ohne Kapitalien welche, wie die von Georgenberg, Steinhausen und Dobelberg der Mutterkirche Glonn im Jahre 1807 einverleibt wurden, wird es durch den frommen Sinn der Adlinger in erbaulicher Reinlichkeit gehalten, und ist jährlich am Kirch­weihfeste ein heiliges Amt mit Predigt, welches der frühere Hw. Pfarrer Vordermaier nicht zugab, da die Leute dem Haupt­gottesdienste in Glonn sich häufig entzogen. In Adling lebt zur Zeit Georg Obermaier, Schmied und Windenmacher, welcher beson­ders im letzten Fache berühmt ist und seine verfertigten Winder werden nah und fern gesucht und von königlichen Baubehörden Bestellungen gemacht. Auch waren einige dieser Bewohner in früh­erer Zeit erprobte Jagdschützen und zeichnen sich noch heut zu Tage aus: Jakob Strassmair zum Messerschmied, Martin Zistl zum Wagner und Andreas Kugler zum Mair in Doblberg, welche schon öfters selbst bei dem großen Oktoberfestschießen in Mün­chen Preise erwarben.

Das Kirchlein Georgenberg.

Ist Eigentum des Dumberger Bauern Georg Ludwig, hat ein Kuppeltürmchen und ist nicht gewölbt sondern hat nur eine…….deck. Der hl. Georg ist Patron dieses Kirchleins

Die Kirche Kreuz.

Sie hat eine Sepultur, gehört in die Pfarrei Egmating, ligt auf einer anmuthigen Höhe, von welcher aus man eine genußreiche Ausicht in das Gebirge hat. Das Kirchlein hat einen Kuppelthurm, ist einwendig reich ausgestattet und führt unter der Oberaufsicht des Herrn Pfarrers von Egmating seine eigene Stift­tungsrechnung. Den Gottesdienst hält der jeweilige Cooperator von Egmating.

Das Kirchlein Schlacht.

Dieses gehört ebenfalls in die Pfarrei Egmating und in die Gemeinde Glonn, wird vom Cooperator von Egmating pastorirt, ist sehr klein, hat einen kleinen Spitzthurm und keine eigene Kirchenrechnung.

Kirchweihfeste.

Das Kirchweihfest der Pfarrkirche fällt immer auf den Sonntag nach Ulrich zu Anfang des Monats Juli. Jenes der Filialkirch auf Maria Namen im September und im Kirchlein zu Adling am Sonntag nach Maria Namen. Die Kirchweih in Haslach fällt gewöhnlich auf den 1. Sonntag im Oktober, sowie die im Kirchlein Schlacht. Die Kirche Kreuz jedesmal am sogenannten Pfingstmarkt.

Vermögen der Kirchen.

Die Pfarrkirche Glonn besaß im Jahre 1858/59 ein Vermögen von 18.762 fl.. Die Armenseelenbruderschaft dagegen l0.068 fl., welche, da sie wenige Bedürfnisse hat immer hilfreich die Aufgaben der Kirche decken hilft, welche sich der Größe von Baulichkeiten und anderer unabweisbarer Bedürfnisse halber schon hoch belaufen.

Reihenfolge der Hochwürdigen Herrn Pfarrer.

  1. Korbinian Geisenhofer bis zum Jahre 1634 lückenlos bis
  2. Josef Mayer von 1853 am 4. Jänner

Kapellen:

Der fromme Sinn unserer Vorfahren hat sich manche Stelle ausersehen, um einsam dem Gebethe obliegen zu können, und je nach Kraft und Geschmack eine Kapelle dorthin gebaut, solche sind:

Die Kollomann – Kapelle

Auf dem Wege von Glonn nach Jakobsbaiern in südlicher Richtung von zunächst Haslach. Eine reiche Bodenquelle frischen klaren Wassers fließt für.

Die Westerndorfer Kapelle.

Bei Westerndorf im Jahre 1857 von Franz Schuster, Anderlgütler in Westerndorf in Folge erhaltenen Auftrags seines Vorfahren Franz Granner vergrößert und mit Duftsteinquader erbaut. Ganz nahe bei Westerndorf ist eine kleine Kapelle hart an der Strasse dem hl. Leonhard zu Ehren erbaut.

Die Zinneberger Kapelle.

Am Fuße des Berges, wo sich der Fußweg von der Strasse von Glonn nach Grafing links durch die Anlage windet, mit einem erbaulichen, sehr gut geschnitzten Christusbilde.

Die Ursprunger Kapelle.

An der Strasse von Glonn nach Pframmern auf dem Ursprungerberge zunächst des Weiglgutes von Ursprung wird unterhalten vom gegenwärtigen Besitzer des Weiglgutes Nikolaus Greythanner


Flüße.

Zwar schlängelt sich hier kein Schiff oder reicher Strom durch das Thal, jedoch zwei Flüßchen die Lauß und die Glonn. Erstere aus dem Laußer Weiher von Süden her nach Glonn und Letzeres in Mühlthal von Westen nach Osten fließend, wo sich bei dem Brunn Hause am südlichen Ende Glonns vereinigen und der Mangfall zu fließend sich bei Aibling in diese ergießen.

Bemerkenswert ist der Ursprung der Glonn. Aus 7 Quellen im Mühlthal enspringend treibt sie schon nach einer Strecke von kaum 30 Schritten die Steinmühle und nach ebensovielen Schrit­ten die Kothmühle und wieder nach einer kleinen Strecke die Stegmühle. Ein Beweis von der Reichhaltigkeit dieses Flüßchens.

Quellengebiet

Den ursprünglichen Lauf lenkte die Glonn sicherlich von der Stegmühle über den Seestall, zwischen der Wirthsbreite und Straße über den jetzigen Marktplatz, von dem jetzigen Krämer Angerer vorbei dem Nagelschmied zu, wo sie sich dann beim Le­derer und Sattlschuster mit der Lauß vereinigte.

Dem jetzigen Lauf bis zum Wasl-und Christlmüller legte man künstlich an, in dem man das Wasser aufstaute um für diese zwei Mühlen ein stärkeres Gefälle zu erzwecken.

Beide Flüßchen nähren sehr gute und viele Forellen, und auch vom Brunnhause an bis zu den Mühlen in Jakobsbaiern sehr schmackhafte Aschen, welche Fischerei aber von der Gutsherr­schaft Zinneberg an den Fischer in Wildenholzen namens Petzinger verpachtet. Nur Leckerbissen für die Tafeln der Vornehmen werden, und der Minderbemittelte nur das Vergnügen hat diese munteren Wasserbewohner in ihrer Unereichbarkeit ziehen zu sehen.


Seen:

In der Gemeinde befindet sich nur ein See, als nämlich der Kastensee beim Weiler Kastenseeon an der Grenze gegen Westen nach Egmating. Er hat 148 Tagwerk ist ziemlich tief und liefert besonders gut Karpfen und auch Hechte, die ebenfalls pachtweise Eigenthum des Fischers von Wildenholzen sind. Der See ist wegen seines mit starken Moosgewächsen auf der westlichen Seite filzartigen Grundes schwer zu fischen und wird von Jahr zu Jahr kleiner, wie dies seit 2o Jahren sichtlich der Fall ist.


Strassen:

Glonn ist von Strassen durchkreuzt, welche besonders durch die unermüdliche Thätigkeit des königlichen Landgerichts-Vorstands Karl Zölch in bestem Zustande geschaffen wurden, indem unter dieser Amtirung statt der hölzernen Brücken steinerne gebaut, die Strassen erweitert und mehrere Schuhe von denselben altes Gestrüpp weggeschafft und die nötigen Abzugsgräben angelegt wurden.

Die Wohlthat dieses Wirkens leuchtet aus dem man in Betracht zieht, daß von Glonn nach München und an andere Orte früher meistens geritten wurde und zum Verfahren 1 Klafter Holz über die Berge gewöhnlich 4 Pferde angespannt werden mußten, während heut zu Tage mit Chaisen und Stellwagen schnell gefahren wird und zur Winterzeit wie auch im Sommer mit 2 Pferden zwei bis drei Klafter Holz ohne Schwierigkeit transportiert werden.

Eine Straße führt von Grafing über Glonn nach Egmating, Holz­kirchen und Miesbach, sowie die nämlich beim Bäcker in Glonn sich trennent über Pframmern nach München.

Eine andere führt von Moosach über Glonn nach Lauß, Höhenrain und Aibling.

Eine andere von Aibling, Hohenthann, Berganger über Glonn nach München. Sämtliche Strassen kreuzen sich in Mitte des Dorfes beim Kramer (zum Steinberger) und sind an jedem Schnittpunkt mit passenden Wegzeichen versehen.

Eine neue Straße ist von Grafing über Moosach nach Glonn (bis hieher jetzt ziemlich fahrbar), Lauß und der Eisenbahnstation Westerham projektiert.


Einzelne Gebäude:

Der Pfarrhof.

Im Jahre 1842 unter Herrn Pfarrer Fr. S. Vordermaier aus dem Erlös des alten Pfarrhofes und den Leistungen der Condezima­toren, dann Hand-und Spanndienste, sowie eines kleinen Betrag ad onus succeeorum, auf einem neuen Platze der sogenannten Kreuzstraße erbaut, ist eine Zierde des Dorfes, während der alte 5 Schritte von der Kirche (von Wirth Jos. Wagner um 600 angekauft und zum Abbruch bestimmt) im Jahre 1843 wirklich abgebrochen wurde.

Das Schulhaus.

Das Uralt-Schulhaus, das Dunkes als elende Hütte beschreibt, stand neben dem Haus vom Krämer Steinberger, dem heutigen Modegeschäft Obermaier Moden.

Die Knabenschule zu Dunkes Zeiten

An Stelle der alten Knabenschule steht heute dort ein Geschäfts- und Wohnhaus. Die Bauform aber blieb erhalten.

Früher stand solches dem jetzigen Krämer Steinberger wis a’wi eine elende Hütte, dann erhielt es einen Platz in dem jetzige Austragshäuschen des Steinbergers.

Im Jahre 1837 bis 1838 wurde auf einem Pfarrgrundstück mit Ge­nehmigung des hochwürdigen Ordinariats und der k. Regierung das jetzige geräumige und schöne Gebäude hergestellt und von vielen Gemeindemitgliedern kein Opfer gescheut es für alle Zeiten dauerhaft zu bauen.

Der damalige Bauausschuß bestehend aus dem Wirthe Josef Wagner, Furtmüller Josef Wiesböck, und Färber Donatus Daxenberger er­laubten sich sogar die Form des Bauplanes zwar bei­behaltend und das Schulhaus der Länge und Breite nach zu ver­größern. Und wirklich! Sie hatten vollkommen recht. Die jetzige Kinderzahl rechtfertigt noch heute ihr edles Vorhaben, welches Anfangs freilich viele Widersacher hatte.


Einiges über die Schule:

Herr Pfarrer Benno Amann schreibt in seinem Buche: Liber omnieo Parochojcitu necehsaria continens 1804:

„Das Erste was ich hier unternahm, war, daß ich eine Feiertagsschule einrichtete, wozu von meiner Hierherkunft gnädigste churfürstliche Befehl erging. Ich tath es um desto eifriger und williger, weil die Moralität ziemlich locker stand. Sie wurde den 15. Nov. 1803 eröffnet. Es mußten alle vom 12. bis 18. Jahr erscheinen, deswegen wurden alle nachmittägigen Andachten auf 1 Uhr verlegt, und nach denselben Schule gehalten. Das männliche Geschlecht sollte von dem weiblichen abgesondert unterrichtet werden, welches in dem äusserst schlechten Schulhause, in welchem nur ein einziges enges Schulzimmer war nicht geschehen konnte, deswegen traf ich die Einrichtung, daß das weibliche Geschlecht im Pfarrhause und das männliche im Schulhause Unter­richt erhielt. Unter vielen Widersprüchen ging die Sache in Kurzen soweit, daß 122 Feiertagsschüler und Schülerinnen sich einfanden und sich sehr lernbegierig zeigten.“

Damals amtierte der Schullehrer Lorenz Böck dessen Ende ein sehr trauriges war, indem er nach Aying und von dort nach Mün­chen kam wo er als Privatlehrer im größten Elend starb.

Nach diesem schwang sich Roman Hirschböck (früher Reitknecht bei Herrn Grafen Fugger) in den Sattel und stand der Schule 25 Jahre vor. Anstatt aber sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern zu können, brachten ihm einige Übelgesinnte durch Verleumdung aller Art um den Dienst, und Hirschböck mit seiner ganzen Familie an den Bettelstab fiel dem Armenfond zur Last, eine Last die nach bereits 22 Jahren dem Armensäckel allein 250 fl. kostete

Nach Hirschböck wurde der Lehrer Simon Bauer von Tyrlaching hieher versetzt. Derselbe kam im kranken Zustande hieher und starb, nachdem er nicht einmal ein Schulzimmer betreten konnte nach 3/4 Jahren mit Hinterlassung einer Witwe und zwei Knaben.

Nun wurde unterm 7. September 1840 der gegenwärtige Schullehrer Johann B. Dunkes von Berchtesgaden hieher befördert: Bei seiner Ankunft traf er schon 2 Parteien. Die eine für den vertriebenen Hirschböck, die andere dagegen.

Und so kam es, daß erstere den Schullehrer Dunkes nicht an­nehmen wollte, was schon daraus auffallt, daß sie den einen Tag vor seiner Ankunft angekommenen Güterwagen nicht ableeren ließen.

Allein dies war eitle Mühe!

Unter unsäglichen Schwierigkeiten trat Dunkes den Dienst an, und selbst die Verläumdung mußte zu Schanden werden, so wirkte er 27 Jahre lang nach dem Zeugniß der königlichen Regierung zu vollsten Zufriedenheit und wurde in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.

Der Gemeindeausschuß hielt im Gasthaus zur Post noch eine rühm­liche Letzte (bei welchem Letzten aber keiner der Gemeinde­glieder etwas zu bezahlen hatte) als was sie selbst brauchten…… Wo ist Dankbarkeit für so viele Dienstjahre? Der noch übrige Raum möge für den nachfolgenden Lehrer dienen!

Mehr zur Schulgeschichte in der Niedermair Chronik:


Schloß Zinneberg:

Früher Eigenthum der Grafen Fugger, die sich Herren auf Matten­hofen, Höhenrain und Weißenhorn nannten, kam unter Emanuel Graf Fugger Babenhausen, als unverheiratet, im Jahre 1825 unter Administration, welche Stelle Ritter von Kern, Gutsbesitzer von Höhenrain begleidete.

lm Jahre 1827 erwarb sich Ihre königliche Hohheit Maria-Leopoldine, Witwe des Churfürsten Karl-Theodor dieses Schloß käuflich erbaut das jetzige Schloß von 1833 bis 1834 an der jetzigen Stelle, indem nur der gegen Westen stehende Flügel des alten Schlosses stehen blieb, sowie sie im Jahre 1836 das großartige Glashaus mit den bestehenden Gartenanlagen anlegen ließ. Dieses Besitzthum überließ die hohe Frau ihrem Sohne Max Grafen Arko, dessen Gemahlin eine geborene Fürstin Zeil, sich mit der zahl­reichen Familie und Dienerschaft das Schloß als Lieblingsauf­enthalt für den Sommer wählt. Die Brauerei wurde durch Erbauung des jetzigen großartigen Brauhauses i.J. 1839 und durch Erbauung eines neuen Sommerkellers 1847 sehr gehoben.

Das Jahr 1848, folgenreich durch die Aufhebung der Gerichtsbarkeit, durch die Ablösung des Zehents, durch die Inheimfallung des Jagdrechtes an die Gemeinde, veranlaßte den Besitzer des Schlosses, Herrn Grafen Max Arko von Zinneberg, einen ausserordentlichen Liebhaber der Jagd, das Gut zu verkaufen und es ging an Marquis Pallavicine‚ ehemaligen Sardinischen Gesandten am k. bayer. Hofe über, welcher es bis zum Heutigen (April 1860) noch besitzt, obgleich Max von Arko auf ausdrücklichen Befehl Seiner Majestät des Köngs Maximilian II, den Namen “Arko von Zinneberg“ zu führen hat.

Marquis v. Pallavicini erkaufte auch den Mairhof von Georgen­berg von Paul Obermair lediger Besitzer dieses Hofes und ver­größerte somit die Ökonomie, als ausserordentlicher Ökonomie­freund.

Selten ist der Besuch dieses guten Herrn, und könnt er, so ist sein nächster Gang in den Viehstall, der mit ausserordentliche schönen Kühen edelster Raße reichlich angefüllt ist, wogegen ihn die herrliche Orangerie mit Gartenanlagen wenig zu interesieren scheinen.

 


Im Jahre 1857/58 tauchten unter Einigen in der Gemeinde der Gedanke an ein zweites Wirtshaus auf, wurde fast 3 Jahre unter größter Erbitterung zweier Parteien, so dafür und dagegen, genährt, jedoch von höchster Stelle als unstatthaft abschlägig befunden.

Im Jahre 1859, den 29. Sept. wurde der Fleisch und. Mehlaufschlag eingeführt und ertrug vom Wirth und Metzger                                                         109 fl.
Vom  Bäcker                                                                      58 fl.
und von Privaten bei denen er fixiert wurde            735 fl. 34 kr
in Summe                                                                         902 fl. 34 kr

Eine Einnahme, welche für das Jahr 1860 eine weitere Gemeinde­umlage überflüssig machte.

Obgleich diese Einführung von der ganzen versammelten Gemeinde durch Gemeindebeschluß mit 113 gegen 15 Stimmen von höchster Stelle genehmigt wurde, so gab es dieß ungeachtet Zerwürfnisse verschiedener Art, welche den Grund in purer Gehäßigkeit hatte.


* Im Jahre 1859/60 erhielt der geprüfte Glaser Valentin Pitzer eine Glaser-Conzession.
Desgleichen Ludwig Müller eine Hutmacher-Conzession und der Mair-Sohn von Doblberg: Friedrich Kugler eine Uhrmacher-Con­zession, so daß sich die Seite 5 aufgeführten Handwerke um 3 vermehrten.

Dieses Lagerbuch wurde geführt von J. B. Dunkes
Lehrer in Glonn bis zum Jahre 1868