Archiv der Kategorie: Archiv

März

Der Radfahrverein Solidarität

Der Radfahrverein „Solidarität“ wurde 1903 gegründet, zur „Verbreitung und praktischen Verwertung des Velozipeds und (für) das gesellige Zusammenwirken auf dem Gebiet des modernen Sports“. Zu den ersten Mitgliedern gehörte auf jeden Fall Sigmund Hintermaier, Photograf, der auch Besitzer des ersten Hochrades in Glonn war. Andere Mitglieder von denen wir wissen, waren z.B. Josef Meßner (Bürgermeister von 1919-1930), Paul Huber (Besitzer einer Radhandlung und mechanischen Werkstätte), Peter Kastl (Elektrizitäswerksbesitzer) und Franz Neuwirth (Schreiner). Wie auf dem Foto zu sehen ist, waren es nicht wenige, die sich dem neumodischen „Radsport“ verschrieben hatten. Leider gibt es von diesem Verein keine hinterlassenen Protokollbücher oder Dokumente mehr, sodass wir nichts Genaueres über die Aktivitäten des Vereins wissen. 1908 fand auf jeden Fall ein Radlfest in Glonn statt, und am 17.Juni 1928 richtete der Verein in Glonn das Bezirksfest der Radfahrvereine mit Festzug, Wettfahrten und abendlichem Radlerball aus, zu dem 60 Vereine aus dem ganzen Bezirk Ebersberg, aber auch München und Aibling, eingeladen waren. Der Grafinger Anzeiger berichtete, dass trotz schlechter Witterung, aufgeweichter Wege und Gegenwind das Rennen über 27 Kilometer stattfand und ein Glonner errang sogar den 1.Preis. Auch das Langsamfahren sowie der Radkorso durch den geschmückten Ort stiess bei den Zuschauern auf großes Interesse. Der Verein exisiterte 30 Jahre – am 7.April 1933 verfügte das Bezirksamt, dass im Rahmen des Verbotes marxistischer Vereine auch der Radfahrverein „Solidarität“ zu verbieten sei.

 

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Februar

Die erste Turnhalle in Glonn

Im Jahr 1884 gründete sich der Glonner Turnverein. Schwerpunkt des Vereinslebens waren Leichtathletik und Turnen, man traf sich aber auch zum Theaterspielen, es gab eine Gesangsgruppe und zeitweise spielte man auch Schach. Der Turnplatz war bis 1898 hinter dem Gasthaus Lanzenberger, das auch Vereinslokal war. Dann wechselte man auf einen Turnplatz in der Nähe des Bahnhofs, hinter dem damaligen sogenannten Metzgeranwesen – heute Schreinerei Bredenhöller. Um das Jahr 1925 herum gab es eine Anfrage des Vereins an die Gemeinde, ob man nicht in das damals bereits zum Teil leerstehende und etwas heruntergekommene „Surauerhaus“ am Marktplatz einen Turnsaal einbauen könnte. Jahre 1929 errichtete der Verein dann in Eigenleistung eine Turnhalle auf dem heutigen Schulgelände,  das damals schon als Turn- und Spielplatz auch von den Schulkindern der naheliegenden Knaben- und Mädchenschule benutzt wurde. Im gleichen Jahr spaltete sich auch die Fußballabteilung als eigener Verein ab und man gründete zu diesem Zwecke den Turn- und Spielverein Glonn. 1947 wurde gemäß den auflagen der Amerikanischen Militärregierung aus beiden Vereinen der ASV neu gegründet. Die Turnhalle, in der während des Krieges französische Kriegsgefangene untergebracht waren und nach dem Krieg Flüchtlinge und Vertriebene, wurde nach dem Neubau der Volksschule 1957 noch benutzt und vor dem ersten Erweiterungsbau 1969 abgerissen.

 

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Januar

Die Glonner Schulhäuser

Wer mehr als diese sehr kurze Zusammenfassung wissen möchte, liest nach in den weiter unten als Link angefügten Veröffentlichungen von Hans Obermair, Rudolf Gerer, und Günter Staudter

Schulunterricht gab es in Glonn mindestens seit dem Jahr 1560, wenn auch sicher nur unregelmäßig, da die Teilnahme am Unterricht freiwillig war und der Lehrer von der Gemeinde und den Schülern unterhalten werden musste. Diesen Unterhalt zu sichern machte eine Schenkung der Witwe Zächerlin im Jahre 1642 leichter und so ist zu vermuten, dass es ab diesem Zeitpunkt durchgehend eine besetzte Schulstelle gab; wahrscheinlich wurde um diese Zeit auch ein allererstes Gebäude nur für Schulzwecke gebaut. Dieses Häuschen in dem der Lehrer sowohl wohnte als auch Unterricht hielt, stand ungefähr zwischen dem (heutigen) östlichen Kirchenaufgang und der (heutigen) Straße und war im Jahre 1801 so verfallen und elend, dass man über den Bau eines neuen Schulhauses nachdenken musste. Im Jahr 1813 wurde dieses dann auch gebaut, an der Ecke Prof.-Lebsche /Wolfgang -Wagner Straße, als Anbau an das schon bestehende Kooperatorenhaus. In diesem einstöckigen Schulhäuschen befand sich im Erdgeschoss ein Schulsaal, ca. 11 mal 6 Meter groß, eine kleine Küche und eine Kammer, im Dachgeschoss ein Schulsaal für die „Industrieschule“ (Handarbeit). Rund 100 Schüler wurden um 1813 dort unterrichtet, dazu kamen noch die Feiertagschüler. Bis 1831 wuchs die Zahl auf rund 140 Werktagsschüler. 1838 kaufte Krämer Steinberger (heute OMG Moden) das Haus und die Gemeinde errichtete gegenüber ein neues, geräumiges, zweistöckiges Schulhaus, mit zwei Schulsälen und einer Lehrerwohnung. Bis 1902 wurden dort  alle Kinder aus glonn und den umliegenden Weilern unterrichtet. Wie Niedermaier in seiner Chronik schreibt, lag die Schule so zentral, dass kein Kind mehr als eine dreiviertel Stunde Weg hatte. 1899 wurde der Grundstein für ein weiteres Schulhaus, das Mädchenschulhaus errichtet. Pfarrer Josef Späth, der Initiator dieses Baus stiftete zu diesem Zwecke eine Erbschaft und stellte ein Grundstück zur Verfügung. 1902 schenkte Pfarrer Späth den Bau der Gemeinde mit der Auflage, dass dort immer Klosterschwestern unterrichten sollten. Als die Nationalsozialisten 1937 den Unterricht durch die Schulschwestern verboten, fiel das Gebäude, wie es Pfarrer Joseph Späth in seinem Schenkungsvertrag festgelegt hatte,  wieder an die Kirche zurück.

In diesen beiden Schulhäusern fand bis 1957 der Unterricht für alle Kinder statt, auch war ab 1930 der Kindergarten dort untergebracht.
1957 baute die Gemeinde unter großen finanziellen Anstrengungen das neue Schulhaus am heutigen Platz, das in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder erweitert und an die veränderten Bedürfnisse angepasst wurde.

 

Literatur

 

 

 

Hans Obermair: „Glonner Geschichte und Geschichten“ – hier Seite 92 :“Beiträge zur Schulgeschichte Glonns bis 1814“; Hrsg.: CSU Glonn

Rudolf Gerer:„100 Jahre Klosterschule Glonn 1902-2002“ ; Hrsg.: Kultur-und Verschönerungsverein Glonn

Rudolf Gerer und Günter Staudter: „Volksschule Glonn – Vergangenheit und Gegenwart“; Hrsg.: Volksschule Glonn  – hier: Seite 4-20: Die Anfänge bis 1957

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13.11.2021 „Die Pockenschutzimpfung, ein Lebensretter“

Die Pockenschutzimpfung, ein Lebensretter

Der Haflhof in der Gemeinde Bruck, im Ort Bauhof, hat eine lange Tradition. Die frühere Bäuerin Liesl hat hier alte Urkunden und Papiere, die anderenorts längst entsorgt wurden, sorgfältig geordnet und aufbewahrt.   Diese geben uns heute Aufschluss über längst Vergangenes. Unter diesen Unterlagen findet sich auch ein Papier mit folgender Überschrift:

Schutzpocken-Impfungs-Schein

Dieser Schein wurde ausgestellt im Jahr 1827, ist also schon fast 200 Jahre alt. Er sagt aus, dass der auf diesem Hof geborene „Andreas Schuler v. Bauhof“ als einjähriger Bub am 16. May 1827 mit Schutzpocken geimpft wurde. 8 Tage später fand dann eine Kontrolle statt, bei der die Wirkung dieser Impfung überprüft wurde. Dabei hat sich das als „aecht“, also als gut und richtig erwiesen, so dass das Individuum, also der einjährige Andreas somit vor der Blattern-Krankheit geschützt ist. Dafür verbürgt sich sogar die zuständige Behörde des Könglichen Baierischen Gerichts-Bezirks Ebersberg.

Die Pocken, auch Blattern genannt waren eine uralte Geißel der Menschheit. Diese sehr schmerzhafte Krankheit hatte sehr dramatische Folgen, über den ganzen Körper verbreiteten sich die Narben von den eitrigen Geschwülsten, die Pocken. Oft war der Verlauf auch tödlich. Die Mediziner beschäftigten sich schon viele Jahrhunderte lang mit einer Heilung, leider aber mit keinerlei Erfolg. Der Durchbruch erfolgte jedoch dann im 18. Jahrhundert, als man die Entdeckung mit den Kuhpocken machte. Diese Pockenerkrankung hat einen viel milderen Verlauf mit nur ganz geringen Folgen und ist für den Menschen gut verträglich. Man ritzte dabei mit einer Lanzette, die mit den harmlosen Kuhpocken infiziert war, leicht in den Oberarm. Dabei stellte man fest, dass bei Menschen, die so infiziert wurden, sich eine Abwehr gegen die gefährliche Pockenerkrankung aufbaut und sich dabei eine Immunität entwickelte, ein perfekter Schutz war somit entdeckt.

Nach den ersten erfolgreichen Versuchen handelten die Regierenden. Als erste führte bereits im Jahr 1807 das Königreich „Baiern“ diese Schutzimpfung als Impfpflicht ein. Das zeigte sich bald als großer Erfolg, und so wurde in den umgebenden Ländern überall diese Impfung zügig eingeführt.

Im Verlauf der Jahre verringerte sich die Zahl der Erkrankungen ganz rapide und so konnte man schließlich im Verlauf der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts die Feststellung machen, dass diese Krankheit ausgestorben war. Folgerichtig wurde dann auch von Seiten der Regierung im Jahr 1976 die Impfpflicht wieder abgeschafft. Alle vor diesem Datum Geborenen können auf ihrem Oberarm noch eine kleine Narbe, die den Charakter eines Stempels aufweist, finden. Die „Pocken“ waren besiegt.

Hans Huber, Taglaching

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„An der Feldkirchner Strasse“ und „Grottenweg“

Nach der Inbetriebnahme der neuen Kläranlage konnten nun auch zwei bereits 1962/63 geplante neue Siedlungen genehmigt werden: „Am Grottenweg“ – heute Hochfeld und der erste Bauabschnitt der Mattenhofener Siedlung – damals: „An der Feldkirchner Straße“.

           
An der Feldkirchner Strasse 1967                                                      Grottenweg – Hochfeld 1961
Bilder: Archiv Markt Glonn/Luftbildverlag Bertram

Anfang 1963 beschließt die Gemeinde ein großes Areal zwischen Kastenseeoner Straße und Quellenstraße als Baugebiet auszuweisen – auf dem Areal das schon 1952 als Baugebiet „Waslerfeld“ geplant war.  Nach diversen Einsprüchen, mutmaßlich wegen der Hangbebauung, vor allem aber wegen der Wasserver- und Abwasserentsorgung, wird vom Gemeinderat am 9.12.1963 der von Bauunternehmer Landthaler eingereichte Teil-Bebauungsplan für 8 Einfamilienhäuser als Satzung erlassen, mit den Bedingungen, dass der Gemeinde durch die Erschließung keine Kosten entstehen und der Bebauungsplan nicht mehr erweitert werden dürfe. Unter dem Hinweis, dass alle Grundstücke bereits seit Jahren verkauft seien, bittet die Gemeinde im Juni 1964 das Landratsamt um Genehmigung zur Vermeidung unnötiger Härten. Zwei der Grundstücke sind zudem bereits seit Jahren bebaut.

Doch erst am 15.6.1965 wird der Bebauungsplan genehmigt, als klar ist, dass nach einer Übergangszeit der Anschluß an die inzwischen fertiggestellte Kanalisation und Kläranlage möglich ist. 1967 sind 3 Grundstücke bebaut.

Auch im 1. Abschnitt des Baugebietes an der Feldkirchner Straße – Mattenhofener Straße, Sudetenlandstraße und Schlesienstraße sind die Grundstücke bereits seit Jahren verkauft. Schon 1962 wird ein Münchner Architekt beauftragt das Genehmigungsverfahren einzuleiten und es wird auch bereits beschlossen die Erschließungsarbeiten an einen Münchner Bauträger zu vergeben.

Aber auch hier zieht sich die Genehmigung bis zur absehbaren Fertigstellung der Kläranlage und Kanalisation hin. Auch möchte das Landratsamt die Mattenhofener Straße auf 8,50 verbreitern, was die Gemeinde aber erfolgreich ablehnt mit der Begründung selbst die Staatsstraße sei nur 6,50 m breit.

Am 14.12.1965 können die Erschließungsarbeiten vergeben werden, die ersten Häuser stehen dann 1967.

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